Unsere siebenköpfige Gruppe aus Jugendleitern, ehemaligen Gruppenkindern und einigen weiteren Personen unternahm eine Reise durch Grönlands schwindende Wildnis.
Ende Juli 2024 ging es los, entweder mit dem Zug oder dem Bus nach Kopenhagen. Unsere Gruppe bestand aus sieben Personen: ehemalige Gruppenkinder, Jugendleiter und auch einige, die erst durch diese Tour von der JDAV und dem Bergsteigen erfahren hatten. Wir trafen uns in Kopenhagen und flogen gemeinsam mit Air Greenland nach Kangerlussuaq, dem internationalen Flughafen in Grönland. Alle waren aufgeregt und hatten verschiedene Gedanken im Kopf: Passt die Kleidung? Habe ich zu viel Gepäck? Reichen meine warmen Sachen? Gibt es wirklich so viele Mücken?
Von Kangerlussuaq ging es aufgrund der Abwesenheit von Straßen mit einem kleinen Inlandsflug nach Nuuk, der Hauptstadt Grönlands. Nuuk liegt im Südwesten und ist mit etwa 30.000 Einwohnern die größte Stadt des Landes. Dort kauften wir die letzten Dinge ein, wie Gas, zusätzliche Verpflegung und das letzte Essen. In Nuuk trafen wir auch ein älteres Ehepaar, dass uns zu sich einlud und uns erzählte, dass ein Eisbär nur 30 Kilometer entfernt gesichtet wurde. Das machte einige von uns etwas nervös. Nach einer letzten Nacht im Zelt in Nuuk startete dann unser großes Abenteuer.
Mit einem Wassertaxi fuhren wir zweieinhalb Stunden durch eine von Gletschern geformte Fjordlandschaft zu einem kleinen Ort namens Kapissilit. Von dort brachen wir zu 13 Tagen in der Wildnis auf, welche von extremen Wetterbedingungen geprägt war: heiße Temperaturen über 25 Grad, Schnee und Sturm. Auch wegloses Gelände von Sumpf bis Geröllwüste stellte eine Herausforderung da. Die ersten Tage waren wettertechnisch nicht ideal, und einige merkten schnell, dass ihre Rucksäcke mit 25 Kilo viel zu schwer waren. Andere waren froh, nur 18 Kilo dabei zu haben.
Es dauerte ein wenig, bis wir die Logistik mit den Zelten im Griff hatten, aber dann fanden wir immer gute Plätze an Seen zum Campen. Nach fünf Tagen in der einzigartigen Landschaft aus Felsen und Seen sahen wir endlich auf 800 Metern Höhe das ewig erscheinende Eisschild hinter einer Bergkuppe. Der Anblick des Inlandeises, das durch den Klimawandel immer mehr schwindet, war beeindruckend. Ein Eisfjord lag vor uns, und in der Ferne hörten wir den Gletscher kalben und das Eis singen.
Wir verbrachten zwei Tage in einem Camp, um uns auszuruhen, und machten einen Ausflug zu einem imposanten Eisberg. Mit Drohne und Kamera dokumentierten wir den Gletscher und merkten, dass sich die Strapazen gelohnt hatten. Die Freude und Traurigkeit über das schwindende Eis begleiteten uns weiter.
Unsere anspruchsvollste Etappe führte uns an einem ehemals hohen Wasserfall vorbei, der wegen der Trockenheit nur noch ein Rinnsal war. Alle sieben Jahre verwandelt sich das Rinnsal aber in einen reißenden Fluss, wenn der oben liegende See von geschmolzenem Gletscherwasser voll gelaufen ist und in einem abfließt.
Nach neun Tagen trafen wir unterwegs den ersten Menschen - einen Franzosen, der seit drei Wochen in Grönland unterwegs war. Er erzählte uns von Jägern, die wir auf unserem Weg treffen würden.
In dem Tal, das wir jetzt durchquerten, gestaltete sich die Wassersuche aufgrund der Trockenheit etwas herausfordernd, aber nach zwei Tagen hatten wir es durchquert. Dort trafen wir auch auf die Jäger. In einem kleinen Zeltdorf lebten dort ein oder zwei Familien mit Kindern, die den Sommer damit verbrachten, Rentiere zu jagen. Sie begrüßten uns freundlich und zeigten uns den einfachsten Weg zurück zum Hafenort Kapissilit.
Nach 13 Tagen kehrten wir in die Zivilisation eines kleinen Dorfs mit 50 Einwohnern und einem Supermarkt zurück. Einige von uns ruhten sich aus, andere wollten noch einmal im Eisfjord baden. Mit dem Wassertaxi ging es zurück nach Nuuk, wo wir Gespräche mit Einheimischen suchten, um mehr über das Leben in Grönland zu erfahren.
Nach drei weiteren Tagen in der Hauptstadt Nuuk trennten sich unsere Wege. Einige gingen auf eine weitere Tour in Grönland, andere flogen zurück nach Kopenhagen, um die Eindrücke zu verarbeiten und in ihre normale Realität zurückzukehren.
Text: Raoul Taschinski, Anton Pohlkemper Fotos: Moritz Tapp
Teilnehmer: Joris Kießling, Lennard Mack, Conrad Mertens, Anton Pohlkemper, Moritz Tapp, Raoul Taschinski und Patrick Witte.
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